Dissy und Clueso veröffentlichen neue Single

Foto: Ben Wolf

Wenn er nicht gerade innovative Videos für diverse Rap- und Pop-Größen dreht oder mit Geistesverwandten wie Lance Butters, Ahzumjot oder Maeckes auf Tour gegangen ist, dann haben unser jüngstes Corn Dawg-Signing DISSY und sein dunkles Schatten-Alter-Ego Fynn an ihrem äußerst eigenständigen Soundentwurf zwischen tiefen 808-Bässen, tonnenschweren Drums und psychedelischen Samples gefeilt. Am 28.09.2018 veröffentlicht der Erfurter endlich sein Debütalbum „PLAYLIST 01“ (VÖ: 28.09.), samt pop-olympischen Features von Kumpels Clueso und Maeckes im Mix und Master von Donkong (u.a. Caspers „Xoxo“). Dass DISSY anders ist merkt man schon daran, wie der Erfurter 2014 als Dissythekid in diese Szene kommt. Er hat keine überdrehte Vergangenheit in den Videobattle-Turnieren dieses Landes, bekommt keine vetternerwirtschafteten Vorschusslorbeeren von den ganz Großen und er macht auch keine Aufmerksamkeitsökonomieprinzipien bespielende Gimmick-Musik, sondern macht einfach nur sein Ding – verdammt gut, wohlgemerkt. Bereits sein erstes musikalisches Lebenszeichen, die »Pestizid«-EP, fungiert als erstaunlicher Gegenpol zum gegenwärtigen state of the art der Szene. Zum einen weil Dissythekid dafür seine Einflüsse zwischen über die Stränge schlagendem Battle-Rap aus dem Westberliner Untergrund der Nullerjahre mit der emotionalen Musik von Downtempo-Rockern wie Portishead kreuzt – wohlgemerkt ohne dabei den nächsten gefühligen Coming-of-Age-Rapper mit Indie-Beats zu mimen. Auf die düsteren Instrumentals und beklemmenden Beats seines Alter Egos Fynn platziert Dissythekid mit präziser Beobachtungsgabe die Wiedersprüche seiner Generation zwischen Pseudorebellion und Selbstaufgabe, Melancholie und Misanthropie – und sorgte mit diesen klaustrophobisch-schizophrenen Songs für Begeisterung bei Szeneinstanzen wie dem JUICE Magazin oder Falk Schacht, der ihn gar als die Zukunft das Deutschrap bezeichnet. Eigentlich die perfekte Vorrausetzung, um so richtig durchzustarten – sollte man meinen. Aber bis auf die 2015 veröffentlichte »Provinzrüpel«-EP seiner aus Mundraub, Zone, Dekzter und eben Dissythekid bestehenden Crew Wordsflysch wird es ziemlich still um den Erfurter. Unter seinem bürgerlichen Namen macht Till Krücken stattdessen mit seiner Firma DISSY Films von sich reden und dreht in dieser Zeit Musikvideos für Rap- und Pop-Größen wie Megaloh und seinen Heimatstadt-Homie Clueso. Für die »Fynn«-EP führt Dissythekid 2017 schließlich die Leidenschaft für das Berappen von Beats und Bewegtbilder zusammen. Die sechs Tracks auf seinem zweiten Solo-Tonträger beschreiben den beklemmend-bipolaren Konflikt mit sich selbst und der ganzen Welt und gehen dabei nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch weit über klassische HipHop-Konventionen hinaus. Vor allem treibt Dissythekid seinen eigenen DIY-Duktus auch abseits der Betätigungsfelder Rap und Beat auf die Spitze und kanalisiert seine überbordende Kreativität mit einem komplett in Eigenregie entstandenen, elfminütigen Kurzfilm, der die EP in düsteren Bildern visuell begleitet, sondern mit Schnitt, Sounddesign und Bildsprache neue Maßstäbe setzt und die Visualisierung im Deutschrap neu definiert. 2018 ist aus Dissythekid schlicht und einfach DISSY geworden. Als der veröffentlicht er jetzt sein Debütalbum »DISSY« und erzählt auf 11 Tracks von all den bedrohlichen Dingen, die in uns und ums uns passieren und gegen die wir uns mit nicht weniger bedrohlichen Verdrängungsstrategien zur Wehr setzen. Dabei ist »PLAYLIST« nicht nur ein Album, sondern vielmehr ein beachtliches Statement, das einmal mehr Ausnahmestellung des Erfurters als überragendes Talent unterstreicht. DISSY hat lange genug im Untergrund vor sich hingewerkelt, will sich nicht mehr verstecken, sondern zeigen, was er kann – und das ist eine Menge.

Hier gibt es das Video: www.youtube.com