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Fage MC - Verderb und Gedeih

Bei Soloalben von Newcomern möchte man meinen, dass darauf viel rumprobiert wird und der eigene Stil sich noch herauskristallisieren muss. Anders ist es scheinbar bei dem jungen Rapper Fage MC aus Tübingen. Er kennt seine Stärken, die in der emotionalen, atmosphärischen Vortragsweise liegen und weiß sie gekonnt einzusetzen. Dazu liefert der Produzent Frank Zumbroich einen passenden Soundteppich, bei dem die Instrumente Klavier und Gitarre die prägenden Elemente sind. Ein - mal mehr ("Historymaker" oder "Büchse der Pandora" zum Beispiel) und mal weniger - vordergründiger Rock-Einfluss ist unüberhörbar. Ebenso unterstreichen gezielt eingesetzte Synthieflächen die düstere Grundstimmung. Sowohl musikalisch, als auch textlich schafft es dieses Werk, den Hörer in seinen Bann zu ziehen, sofern von Vornerein keine Scheuklappen den Zugang blockieren. Inhaltlich spricht Fage gesellschaftlich relevante Themen an, ohne dabei Klischees zu verwenden. In "Schwerelos" geht es um die schwierigen Lebensumstände in den armen Gegenden der Erde - eine Geschichte, die noch glaubhafter wird, wenn man weiß, dass der Rapper eine Zeit lang in Nicaragua gelebt hat. Der Song "Bestie" erzählt die Geschichte eines gemobbten Außenseiters, der Gewaltphantasien entwickelt. In "Verdammte Tür" verarbeitet der Protagonist eine Liebesbeziehung. "Sterben für dich" behandelt das Thema Verlust von nahstehenden Personen. In dem Stück "Wahrheit", das im Stile eines Poetry Slams vorgetragen wird, spricht der Rapper von den Schattenseiten "der Wahrheit". Die geballte, schwere Kost auf der textlichen Ebene kann Fage jedoch mit seinem energiegeladenen Rapstil und der markanten Stimme ausgleichen, so dass man weiterhören will.

Fage MC ist mit "Verderb und Gedeih" demnach ein Debutalbum gelungen, das nicht an aktuelle Trends im Deutschrap anknüpft, sondern seine eigenen Wege geht. Es entführt den Hörer in eine Welt der menschlichen Abgründe, wobei auch die Hoffnung an einigen Stellen durchschimmert ("Das Licht der Welt" oder "Gepflanzt zu gedeih´n, gebor´n um zu leben" zum Beispiel). Die überwiegend düstere Musik bildet mit dem dynamischen Storytelling von Fage eine gelungene Einheit. Es wird interessant zu beobachten sein, wie es mit diesem Künstler weitergehen wird. Dieses Album ist jedenfalls mehr als beachtlich und hat Aufmerksamkeit verdient.

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