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Dub Spencer & Trance Hill |
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Man muss diese Truppe unbedingt mal live gesehen haben, wenn man so manche Reggaeband dann doch eher etwas langweilig fand. Sprünge in den Rock- oder Elektrobereich sind für Dub Spencer & Trance Hill aus Zürich genauso normal wie dubbige Wiedergeburten von tot geglaubten Klassikern. Dank ihres aktuellen Longplayers “Riding Strange Horses” kann man das problemlos nachhören und staunen, wie entspannt ein Song wie „Enter Sandman“ klingen kann. Marcel Stalder (Bass) und Markus Meier (Gitarre) nahmen sich freundlicherweise Zeit für ein paar Fragen, nachdem sie bereits bei Ken FM in Potsdam auf sympathische Weise ihr Improvisationstalent unter Beweis gestellt hatten.
MKZWO: Probt ihr manchmal komplett ohne Effekte?
Marcel: Nein, eigentlich nie. Wenn es nur darum geht, eine Erinnerungsprobe vor einer Tour zu machen, spielen wir mit weniger Effekten, das heißt, ich verzichte am Bass auf die Effekte, aber die Effekte bei der Gitarre sind wie immer oder nur ein wenig reduzierter.
MKZWO: Also ist an eine Unpluggedprobe von euch erst gar nicht zu denken?
Marcel: Unsere Musik lebt so stark vom Sound und je nachdem, welche Effekte dabei sind, spiele ich etwas ganz anderes. Deshalb macht das wenig Sinn. Abgesehen davon geht es oft einfach darum, die Melodien und die Akkorde zu checken. Das Zeug ist so einfach, da müssten wir eigentlich gar nicht proben! (lacht) Wir proben meist nur gewisse Übergänge und dazwischen sind ja Jams. Die müssen einfach inspiriert rüberkommen, wenn wir live spielen.
MKZWO: Für das Livemixing sorgte bei den letzten beiden Berlin-Gigs Umberto Echo. Ist das momentan euer fester Mann?
Marcel: Wenn wir in der Schweiz spielen, ist Umberto Echo eigentlich selten dabei, aber da haben wir dann unseren eigenen Haustechniker Fabian Weibel mit. Wenn keiner von beiden da ist, machen wir auf der Bühne einfach noch mehr selber. Unsere Platten nehmen wir bei uns im Proberaum auf, auch schon mit Effekten, aber vieles wird dann nachträglich von unserem Keyboarder Philipp gedubbt.
MKZWO: Wie entstehen bei euch Coverversionen?
Marcel: Oft ist es so, dass einer von uns die Harmonien und so raus hört und dann besprechen wir noch kurz, was alles wegfällt. Bei den meisten Popsongs lassen wir einfach die Hälfte der Teile weg. Dann wird auf das, was noch übrig bleibt gejammt, so vielleicht 10 Minuten. Danach besprechen wir noch mal, was cool und nicht cool war und das Gejamme wird wiederholt. Dann wird drei, vier Mal aufgenommen und gut ist. Manchmal sind die Songs zu lang, so dass wir noch etwas raus schneiden müssen.
Markus: Grundsätzlich ist es natürlich extrem wichtig für unser Konzept, dass wir alles live spielen, auch beim Aufnehmen. Wir spielen nicht einfach eine Reggaeversion mit durchgehend Drops und schneiden die dann wieder raus, sondern wir dubben live.
MKZWO: „Smoke On The Water“ habt ihr euch von William White einsingen lassen, bei „Eisbär“ und anderen Liedern verwendet ihr aber die Vocals der Originale.
Markus: Bei „Eisbär“ war das übrigens gar nicht so einfach, da die Vocals nicht mehr existieren. Also haben wir die ganze normale Aufnahme genommen und das so isoliert geschnitten und gefiltert, so dass man eigentlich nur noch die Stimme hört. Das ist auch der Grund, warum die Stimme noch nasaler als im Original klingt. Bei „Echo Beach“ oder „When I Fall In Love“ beispielsweise haben wir die Original-Vocalspuren bekommen.
MKZWO: Wie lief das ab mit Lee Perry und seinem Gebrabbel, dass ja auch, Legendenstatus hin und her, ganz schön nerven kann.
Marcel: Wir haben die Spuren bekommen und nicht mit Lee Perry selber aufgenommen. Es ist tatsächlich so, dass nicht mehr so viel übrig geblieben ist. Findest du es immer noch zu viel?
MKZWO: Mit einigen Songs verbindet ihr sicher eine Art Hassliebe, oder springt ihr auf die Tanzfläche, wenn ihr irgendwo „Final Countdown“ läuft?
(Beide lachen)
Marcel: Ich habe das im 6. Schuljahr gehört, erstes Mal verliebt, „Final Countdown“. „Jeany“ find ich im Original immer noch geil, „Smoke On The Water“ kann ich wiederum nicht mehr hören. Meistens ist man aber hin und her gerissen. Eigentlich liebt man den Song, weil man auch mit ihm groß geworden ist, andererseits hasst man ihn, weil man ihn zu oft gehört hat. Das Ziel war ja eigentlich, eine Cover-CD zu machen, bei der man die Songs nicht alle auf Anhieb erkennt. Man kann sich da natürlich drüber streiten, in wie weit uns das gelungen ist, aber ich denke, dass man zum Beispiel bei „Mama“ von Genesis erstmal nicht auf das Original kommt, sofern man nicht die Tracklist vor sich zu liegen hat.
MKZWO: Gab es schon Dubpuristen, die sich vor den Kopf gestoßen fühlten?
Marcel: Ich kann mich an eine Review zur ersten Platte erinnern, wo sich die Person schon aufgrund unseres Bandnamens verarscht gefühlt hat. Aber es ist ja nicht unsere Absicht, irgendetwas zu verarschen. Wir wollen einen Witz reinbringen, aber ihn so rüberbringen, dass er gut ist. Das ist so ein bisschen wie bei der Band Ween. Die spielen ja auch querbeet stilistisch alles, aber sie spielen alles so gut, dass man nicht groß rummeckern kann. Es ist geil, wenn man mit den Genres spielt und trotzdem die Sache möglichst gut macht. Wir können einfach unsere verschiedenen Vorlieben einbringen. Eigentlich gibt es selten Leute, die sich darüber beschweren. Wir wollen zum Beispiel auch nicht die ganze Rastafari-Religion auffahren, weil wir nichts damit zu tun haben. Das wäre für uns völlig aufgesetzt. Wir wollen einfach authentisch sein und entweder es gefällt dir oder eben nicht.
MKZWO: Bei „The Saints Go Marching Through All The Popular Tunes“ verwendet ihr die Stimme von William Seward Burroughs, einem schwulen Schriftsteller der Beat Generation. Das ist im Reggaebereich ja auch nicht gerade üblich.
Marcel: Mit Homophobie können wir wirklich gar nichts anfangen, das ist einfach nur scheiße. Gerade bei solchen Sachen fühlen wir uns überhaupt nicht irgendwelchen Reggae-Klischees verpflichtet. Ich persönlich habe nicht so einen riesigen Bezug zu Burroughs. Wir hatten ein eigenes Stück und es war eigentlich Nicolais Wunsch (Chef ihres Labels Echo Beach, Anm. d. A.), dass wir seine Stimme noch drüber legen. Ich finde die Idee geil, weil es noch mal eine andere Art von Cover ist.
MKZWO: Auf eurer Myspace-Seite befinden sich Dub Trio unter den Topfreunden. Seht ihr da eine musikalische Verbindung, weil die New Yorker auch Dub und Rock kombinieren?
Marcel: Als wir 2006 die „Nitro“ aufgenommen haben, bin ich irgendwie auf ihr Debüt „Exploring The Dangers Of“ gestoßen und fand das erstmal interessant, weil wir zu diesem Zeitpunkt auch noch ein Dub-Trio waren. Ich finde heute noch, dass die erste Platte von ihnen unserer Musik sehr ähnlich ist und kenne sonst keine Band, auf die das zutrifft. Die neueren Platten von ihnen gehen stärker in die Metalrichtung, das ist dann nicht mehr so ähnlich. Mir gefällt die erste wirklich am besten.
Markus: Ich als Gitarrist finde die neueren Sachen natürlich auch voll geil und unglaublich versiert. Wie sie zwischen den Stilen hin und her switchen, ohne dass da irgendeine Pause entsteht, das ist schon sehr beeindruckend.
MKZWO: Gibt es bei euch Seitenprojekte?
Marcel: Unser Schlagzeuger Julian ist schon lange in einem Trio, das handgemachte Goamusik spielt. (Tratosphere, siehe Review im MKZWO #113) Markus tritt solo als Songwriter auf und ich selbst spiele in einem Jazzsextett namens Manuel Mengis Gruppe 6, wo wir so Free- und Modern-Jazz machen. Da gibt es noch das ein oder andere weitere Nebenprojekt, aber Dub Spencer hat für mich persönlich oberste Priorität.
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| Details |
Ausgabe |
Art: Interview
Autor: Paul Schlagk |

07.2010
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