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Berlin Boom Orchestra 
MKZWO: Ihr habt ja vor kurzem auf dem Label Township Records euer erstes Album rausgebracht und in Berlin kann man überall eure Aufkleber sehen aber so schrecklich lange gibt es euch noch gar nicht, oder?

Berlin Boom Orchestra: Wir haben zwar vorher alle schon in anderen Bands aus dem Ska/Reggae – Bereich gespielt aber das Berlin Boom Orchestra ist noch nicht mal zarte 2 Jahre alt. Wir haben letztes Frühjahr eigenhändig eine kleine EP raus gebracht, tierisch viele Konzerte gegeben und mussten jetzt einfach mal eine richtige Platte machen.



MKZWO: Euer Album heißt „Kaboom“. Auf dem Cover ist eine skurrile Maschine mit einer riesigen Box vor einer Explosion zu sehen, und das ganze korrespondiert verdächtig mit eurem Namen – was steckt dahinter?

Berlin Boom Orchestra:
Einer unserer beliebtesten Wahlsprüche ist immer: „Wenn einer Bumms! macht, dann wir!“. Diesen Anspruch versuchen wir bei jedem Konzert zu erfüllen. Wer uns schon einmal live gesehen hat, kann das sicherlich bezeugen. Wir versuchen unsere Musik so explosiv und energetisch zu spielen, wie es eben geht – egal ob laut oder leise, wir versuchen das Publikum ordentlich zu fordern und die Stimmung zum Kochen zu bringen. Genau das konnten wir mit einer Explosion und der „boom machine“, wie sie unser Drummer Louis mit seinem sympathischen britischen Akzent getauft hat, am Besten zum Ausdruck bringen. Die „boom machine“ ist aber auch ein bisschen rätselhaft, viele undefinierbare Bauteile verschmelzen zu einem hybriden Kuddelmuddel, das insgesamt aber ganz schön auf die Kacke haut, obwohl kein Mensch weiß, wie und warum das funktioniert – ein gutes Sinnbild für die unterschiedlichen Charaktere in der Band und die verschiedenen musikalischen Einflüsse, die sie jeweils einbringen.

MKZWO: Was kann man also von dem Album erwarten, was verbindet Ihr damit?

Berlin Boom Orchestra:
Das Album soll uns und unser bisheriges Schaffen repräsentieren und uns mit einem kleinen Tusch in das Bewusstsein der Reggae- und Ska-Szene gerade auch außerhalb Berlins einführen, so von wegen: „Hallo, hier kommen wir!“. Die, die uns noch nicht kennen, sollen Lust kriegen, mal eine Show zu sehen, und unsere Fans sollen unsere Mucke auch zu Hause hören können. „Kaboom“ vereinigt 11 sehr unterschiedliche Tunes von zackigen Auf-die-Fresse-Ska-Beats zu Reggae- Perlen mit schmachtenden Saxophon- Soli. Obwohl die Stücke sehr unterschiedlich gemixt sind und auch einige Dub – Effekte und Trigger - Sounds zum Einsatz kommen, klingt es insgesamt doch wie aus einem Guss. Es gibt ältere Stücke, denen man die junge, möglichst viele Styles in ein Stück packen wollende Band anhört und neuere Stücke, die ein ausgefeiltes Songwriting haben, so das da vielleicht auch eine Entwicklung deutlich wird. Auf jeden Fall ist es ein sehr abwechslungsreiches Album mit vielen spannenden Momenten. Es wird kurz und knapp zeigen, was wir so gemacht haben und wo es mit uns hingehen kann.

MKZWO: Ihr spracht von unterschiedlichen musikalischen Einflüssen und in eurem Pressetext kann man lesen, dass ihr „tighten Ska, groovigen Reggae & eine Prise Dancehall“ macht.

Berlin Boom Orchestra:
Ja, dass trifft es faktisch ziemlich gut. Wir haben zwar sehr unterschiedliche musikalische Wurzeln und Vorlieben, aber uns verbindet die Leidenschaft für alle Spielarten jamaikanischer Populärmusik, ohne dass wir dabei die scheuen Blicke über den Tellerrand vergessen würden. Und das hört man dem Album eben auch deutlich an. Wir sind keine reine Ska-Band, die ein paar Reggae-Stücke nur zum Schunkeln mit ins Set nimmt. Wir sind auch keine Reggae-Combo, die einen bekannten Riddim nach dem anderen runter leiert, ohne eigenen Charakter zu entwickeln, sondern wir versuchen, auf allen Hochzeiten gleichzeitig aus der Reihe zu tanzen, ohne dabei einen gekünstelten und undefinierbaren Fusion Brei zu verbrechen. Will sagen: Wir nehmen uns von allem das Beste und machen unser eigenes Ding, ohne den Anspruch zu haben, das Rad neu zu erfinden.

MKZWO: Wie gestaltet sich bei euch das Songwriting und wie ist das Album entstanden?

Berlin Boom Orchestra:
Da wir zu neunt sind und alle ausgemachte Quassel Köppe sind, dauert das so seine Zeit. Es ist sehr unterschiedlich, manches entsteht spontan beim Jammern, vieles basiert auf Ideen und Kompositionen Einzelner, die dann durch den Senf der Anderen gewürzt werden. Viele Ideen kommen von Antonie (Kays) oder Fred (Trompete).Die Texte schreibt alle Filou. Das Album haben wir, zumindest was Planung, Produktion und Finanzierung angeht, fast komplett alleine gewippt. Recording, Mixing und Maste ring lief in den X17 Studios, die uns einen sehr fairen Deal gemacht haben. Das Artwork stammt von Petra Glass aber wir haben uns selber dahinter geklemmt, das alles so realisiert wird, wie wir das wollen. Wir haben versucht unser Konzept, was Sound und Grafik angeht, mit den Vorstellungen und dem Knop - Howe der beteiligten Fachmenschen in Einklang zu bringen, was mal mehr und mal weniger gut gelungen ist. Unsere Böcking - Agentur Wallcitymusic hat den Löwenanteil der Promo und Koordinationsarbeit übernommen, mit Rat und Tat zur Seite gestanden, hilfreiche Anregungen gegeben und uns auch mal in den Arsch getreten. Denn wie das immer so ist, am Ende wird’s stressig und es fallen einem noch tausend Sachen ein, die gemacht werden müssen aber zu guter Letzt sind wir mit dem Ergebnis höchst zufrieden und um viele Erfahrungen reicher.

MKZWO: Ihr singt ja hauptsächlich auf Deutsch – hat das einen besonderen Grund oder ist das einfach so entstanden?

Berlin Boom Orchestra:
Nö, wahrscheinlich kann Filou einfach keine andere Sprache gut genug, um das, was er wirklich zum Ausdruck bringen möchte, zu formulieren (Gelächter) Es ist ja nicht so, dass wir ständig um die Welt düsen würden, sondern wir spielen Konzerte in Deutschland, so dass es eigentlich ganz cool ist, wenn die Leute mitkriegen, was wir zu sagen haben. Es ist auf keinen Fall aus bescheuerten patriotischen Überzeugungen heraus, sondern einfach weil es naheliegend ist und sich Deutsch wirklich erstaunlich gut für Reggae eignet, das haben Artists wie Nosliw und Ganjaman ziemlich eindeutig bewiesen. Natürlich wäre es schön, wenn unsere Texte international verständlich wären, denn Musik ist eine Sache, die die Menschen über jede kulturelle und nationale Grenze hinweg zusammenbringen kann. Wir arbeiten dran….

MKZWO: Noch ein Wort zu den Lyrics. Wie man immer wieder hören kann, seid ihr ja politisch relativ engagiert und tretet öfter bei Benefizkonzerten auf, was wollt ihr mit eurer Musik und euren Texten rüberbringen?

Berlin Boom Orchestra:
Sachen, die wir wichtig finden, so z.B. Kämpfe gegen Abschiebung, Nazis und Rassismus, die unterstützen wir mit Freude auch tatkräftig. Unsere Texte haben die verschiedensten Dinge zum Thema und es gibt nicht den Anspruch generelle Ansichten zu verbreiten oder immer was Weltbewegendes sagen zu müssen. Ausgangspunkt sind immer wir selber, also das was uns bewegt und beschäftigt. Das können dann sehr persönliche Einsichten in den Alltag, das Leben und die Liebe (was auch immer das sein mag), ne Menge Partytaugliches aber eben auch ne ganze Menge harsche Kritiken an den gesellschaftlichen Zuständen sein. Es gibt allerdings so eine Art allgemeinen Tenor, denn es ist uns sehr wichtig, keinen Scheiß oder nur Belanglosigkeiten zu erzählen. Wir wollen, nicht nur mit unseren Texten, klar Stellung beziehen, die Leute neben und mit dem Feiern auch zum Nachdenken kriegen und sie an unserer Wut über die Gesamt - Scheisse teilhaben lassen ohne ihnen Parolen - artig etwas vorzukauen. Am Besten hört ihr selbst…

MKZWO: Was sind denn so die Pläne für die Zukunft, wo kann man das Album kaufen und wo hört man euch als nächstes?

Berlin Boom Orchestra:
Wir freuen uns auf alles, was da so kommen mag! Natürlich werden wir an neuen Stücken schrauben und endlich mal wieder entspannt proben, denn über die Zeit haben sich viele coole Ideen angesammelt. Unser Album wird von Rough Trade Distribution vertrieben, also kannst du es theoretisch überall kaufen aber die ersten 500 Stück kloppen wir unter www.skaribik-store.de für nur 5€ plus Versand raus. Ein erstes Urteil kann man sich auf unserer Homepage und Myspace Seite machen, wo es ein schickes Snippet zu hören gibt. Da könnt ihr euch auch über die nächsten Konzerte informieren, denn im Herbst gehen wir mit dem Album auf Tour.

www.myspace.com/berlinboomorchestra

Details Ausgabe
Art: Interview

Autor: Daniel Schmidt

Heftcover MKZWO 95
08.2008


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