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Marc Hype & Katmando present Funkvergnügen 
Generell hatte Deutschland die besseren Soundengineers

Jahrelang sind wir durch die Plattenläden der Welt gezogen und haben nach rarem, obskuren oder einfach nur schönem gesucht. Das man aber auch in Muttis oder Omas Plattenschrank so einige Perlen groovender Musik finden kann, beweisen jetzt Marc Hype alias DJ Hype und sein Kumpel Katmando mit der Mix-CD "Funkvergnügen". MK ZWO hat für euch bei den beiden mal nachgefragt:



MK ZWO: Was verbirgt sich hinter dem "Funkvergnügen"?
Katmando:
Eine Idee die wir vor ein paar Monaten hatten …
Marc Hype: Vor nem Jahr ungefähr.
Katmando: Wir haben Breaks gediggt und irgendwann hieß es dann: Jetzt muß mal ein Tape mit deutschen Breaks her. Und dann musste das eben nicht ein Tape sein wie die anderen Diggintapes, tja und dann entstand das "Funkvergnügen".

MK ZWO: Stammt die Idee von euch beiden oder hat einer den Ausschlag gegeben?
Marc Hype:
Es hat ja eh jeder von den Diggern ein paar Obskuritäten zu Hause, nur haben wir eben versucht, das alles mal zusammen zu tragen.
Katmando: Wir sind jetzt nicht diejenigen, die die Päbste der deutschen Breakszene sind, sondern wir haben das einfach zusammen geführt.

MK ZWO: Wie seid ihr denn an die ganzen Platten gekommen? Mehr die klassische Digginlinie oder gab es da auch spezielle Kontakte? Immerhin sind da ja ne Menge Songs dabei, die man nicht so einfach im Laden um die Ecke bekommt …
Katmando:
Ja deshalb hat es auch so lange gedauert (lacht). Eh du zum Beispiel die zwei Niagaras zusammen hast, das dauert mal locker nen Jahr. Wir hatten aber schon Kontakte zu speziellen Sammlern, ansonsten schafft man das auch gar nicht.

MK ZWO: Gab es bei der ganzen Suche irgendeinen Break, der euch total überrascht hat?
Marc Hype:
Das kam glaube ich erst später, also noch nicht beim ersten Teil. Obwohl, witzig war auf alle Fälle der Udo Jürgens (lacht). Das war ja echt schon eine B-Boy-Hymne. Vom Breakbeat her und mit den Bläsersätzen … Nagut, sein komisches Gesinge, aber eigentlich geht das ja noch. Der Song hat mich auf alle Fälle überrascht, das hätte ich nicht erwartet.

MK ZWO: Auf der CD halten sich die Beiträge aus Ost- und Westdeutschland ungefähr die Waage. Habt ihr irgendwelche Unterschiede festellen können?
Marc Hype:
Im Osten waren die Texte auf jeden Fall tiefgründiger, während man im Westen mehr Coverversionen hatte. Dann war es so, dass sich im Osten eher die Jazzer da rangetraut haben und im Westen waren es dann eher die Rocker. Obwohl es natürlich auch viele Jazzer im Westen gab, ich denke da nur an Herbolzheimer, die auch schöne Sachen gemacht haben.

MK ZWO: Aber es waren auch viele Schlagertypen, oder?
Marc Hype:
Naja nicht nur. Wir haben zum Beispiel jetzt auch Breaks von Grönemeyer (lacht).
Katmando: Ich find, dass die Ostgeschichten ein bisschen subversiver sind. Die haben dann echt mehr Gas geben können, vor allem musikalisch. Wobei man bei den Westsachen oft Interpreten hatte, bei denen man den einen Song erst einmal finden muß …

MK ZWO: Worin bestehen denn die Unterschiede zwischen Amerika und Deutschland?
Marc Hype:
Generell hatte Deutschland die besseren Soundengineers. Und das macht sich dann teilweise sogar bemerkbar. Gerade im direkten Vergleich zu den Amis damals, wenn du zum Beispiel die original Singles in der Hand hast, da ist die deutsche meistens schon ein bisschen lauter und sauberer. Das ist aber nicht immer positiv anzurechnen, aber die sind auf alle Fälle clean gemischt.
Katmando: Was hier in Deutschland fehlt, sind diese limitierten Stückzahlen von irgendwelchen Singles, die in zum Beispiel Garagen aufgenommen wurden. Da hast du dann auch diesen dreckigeren Sound und es ist schon irgendwie schade, dass es das hier nicht so gibt.

MK ZWO: Wird es jetzt einen Trend hin zu deutschen Rare Groove Sachen geben?
Marc Hype:
Der ist schon längst da. Bei den Sammlern zum Beispiel definitiv. Die normalen Digger hatten schon immer ein paar Obskuritäten. Wir dagegen haben das aber alles zusammengepackt, als geschlossenes Konzept. Nicht nur nach dem Motto: Schau mal, die oder der hat auch mal was gemacht … Es ist doch so, dass jeder etwas kennt oder hat. Ich glaube, ich habe noch keinen getroffen, der mir noch keinen Tipp gegeben hat, oder was ich schon kannte, auch kannte. Irgendwas kennt jeder und sei es irgendwelche Coverversionen. Die Leute wissen eigentlich schon, dass so etwas existiert, aber nicht, dass so eine Masse an Material da ist. Da bekommen sie meist alle den Schock (lacht).
Katmando: Was ich persönlich festgestellt habe, dass das auch völlig Genreübergreifend passiert, egal ob nun HipHop, House oder Techno …

MK ZWO: Hype, du hast ja auch bei Mixery mal eine Plattenvorstellung mit einigen Sachen gemacht, gab es da irgendein Feedback?
Marc Hype:
Ja, da kamen ein paar Leute in Ulm, bei einem Clubgig, und meinten, dass sie sich Suchlisten aus den fünf vorgestellten Platten angefertigt hätten. Das war schon sehr komisch.

MK ZWO: Gab es in den Stücken damals eine Abgrenzung gegenüber Amerika, da heißt vielleicht auch eine eigene deutsche Identität?
Katmando:
Wenn man sich Bands wie Can anschaut, dann schon. Wir haben aber einfach nur die ganzen Sachen zusammen gepackt, wobei ich überhaupt keinen missionarischen Gedanken hatte.
Marc Hype: Es sind natürlich viele auch Coverversionen oder bauen direkt auf den amerikanischen Originalen auf. Aber es gibt dann eben auch Gruppen wie Can oder Niagara, die dann sehr eigen sind, obwohl das ja auch beides Rockbands sind (lacht). Oder auch Hildegard Knef, die ist ja ebenfalls sehr eigenständig gewesen. Aber oft ist es doch so, wenn zum Beispiel. von Joy Fleming die "Geld" Version kommt, dann tanzen die Leute nicht, weil es jetzt so ein tolles Ding ist, sondern weil sie "Respect" von Aretha Franklin kennen.

MK ZWO: Habt ihr noch irgendwelche Lieblingstracks von Teil I, oder könnt ihr das "Funkvergnügen" langsam schon nicht mehr hören?
Katmando:
Ich mag es immer noch sehr gerne hören, wobei gerade Songs wie Hildegard Knef mir besonders gefallen.
Marc Hype: Ganz klar der "Novak" von Sissy Kramer.

MK ZWO: Könnt ihr einen persönlichen Topkünstler benennen, oder fällt das sehr schwer?
Katmando::
Herbolzheimer hat sehr schöne Sachen gemacht.
Marc Hype: Bei mir ist es die Hildegard Knef.

MK ZWO: Ziemlich in der Mitte der CD gibt es eine etwas längere Passage, wo die Fussball WM von 74 und Deutschlands Gewinn durch Originaltöne geschildert wird. Was hat es damit auf sich?
Katmando:
Zum einen war das natürlich genau die Zeit und Deutschland hat genau da die WM gewonnen. Das passte also bestens. Zum anderen laufen diese Originalstimmen über einen Break von Niagara, der in Amerika mal glatt 2500 $ kostet. Das war uns der Spaß schon wert, die Amis ein bisschen zu ärgern (lacht).

MK ZWO: Könnt ihr euch eine Art Zusammenarbeit oder Collabo von DJs und alten deutschen Musikern vorstellen?
Marc Hype:
Die Idee besteht auf jeden Fall, aber wir haben da noch keinen getroffen oder noch nichts angegangen. Mal schauen was daraus wird …

MK ZWO: Worin wird der Unterschied zwischen Teil I und Teil II bestehen?
Marc Hype:
Der Nachfolger wird den ersten Teil komplett übertreffen, bei der Masse, die wir jetzt zusammen gesammelt haben. Bei Teil I haben wir wirklich nur an der Oberfläche gekratzt, da mussten die Standards und üblichen Verdächtigen erst einmal verarbeitet werden. Jetzt kommen die wirklichen Kracher.

MK ZWO: Haben dann andere Leute überhaupt noch eine Chance gegen euch?
Katmando:
Nein (lacht).
Marc Hype: Ja, ich denke mal schon. Ne Menge Leute kennen auch ne Menge Sachen (lacht). Scope und Defcon kannten zum Beispiel auch sehr viel vom ersten Teil, aber sie kennen kaum etwas vom zweiten. Bei zweiten Teil können sie sich alle warm anziehen!

MK ZWO: Wollt ihr die Clubreihe nun auch richtig etablieren, oder war das nur eine Momentaufnahme?
Marc Hype:
Kommt darauf an, ob wir jemanden finden, der das auch mal richtig bucht.

MK ZWO: Und ob die Leute es akzeptieren …
Marc Hype:
Das schwierige sind ja die Hörgewohnheiten des Publikums, das kommt einem erstmal fremd vor, ähnlich wie deutscher Rap am Anfang auch, da man ja nur die amerikanische Version kennt beziehungsweise kannte. Da liegt wahrscheinlich unsere eigentliche Pionierarbeit bei der ganzen Geschichte.

MK ZWO: Euer Zuhörerklientel rekrutiert sich aber von überall, oder?
Katmando:
Ja klar. Auf unseren Partys ist jeder gerne eingeladen, Spaß zu haben und mit uns zu feiern.

Das "Funkvergnügen" solltet ihr bei jedem gut sortierten Plattenladen bekommen.

Details Ausgabe
Art: Interview

Autor: Sascha Wambutt

Heftcover MKZWO 50
12.2003


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