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Ceza |
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“Ich spiele in der Weltliga und brauche keine Idole.”
Vergeßt Twista. Laut Guinessbuch der schnellste Rapper der Welt? Das war einmal. Jetzt gibt es Ceza. Das heißt eigentlich gibt es Ceza schon seit 26 Jahren. Damals wurde er in Istanbul geboren, wo er im Stadtteil Kadiköy auf der anatolischen Seite aufwuchs. Mitte der 80er, zu Zeiten des Schwarzweiß-Fernsehens, sah Ceza “Beatstreet”. Damals wußte er nichts von Rap, interessierte sich aber für diese “sprechende Musik”.
Er hörte in der Folge Tracks wie “Can’t Truss It” oder “Shut Em Down” von Public Enemy. Durch die eigenen Erfahrungen in seiner Umgebung, geprägt durch die schwierige Wirtschaftslage in der Türkei, spürte er den Aufschrei, der da von den Rappern aus Amerika kam, auch sofort. Rap war für ihn seitdem ein Organ, ohne das er nicht mehr leben könnte.
Bis 1996 fühlte sich Ceza ganz alleine, dachte, es gebe gar keine Rapper außer ihm in der Türkei. Die Leute kamen zu ihm und meinten: “Du sprichst die ganze Zeit nur, wann singst du endlich mal?” ‘96 aber sprach ihn jemand auf der Straße an, ob er nicht ein Rapper sei. Der Junge lud ihn auf eine Party ein. Ceza fand einen Haufen Gleichgesinnter, und es wurde leichter, Connections entstanden. Nach dieser Party hatte Ceza nur noch rappende Freunde um sich herum. Davor war er eher ein Einzelgänger gewesen. Sein Job als Elektriker hatte ihn von neun bis fünf beschäftigt. In der Türkei ein ausgesprochen gefährlicher Job, da die Leitungen nicht unbedingt die sichersten sind. Im Rap aber fand er, was er am besten kann und schon immer konnte. “Jeder Mensch kann irgend etwas am besten. Rap ist mein Stern, der mich nach oben bringt.”
Schon als Kind hatte Ceza gehofft, als Erwachsener auf Reisen um die Welt gehen zu können. Die Aussichten standen nicht zum Besten, für ein Studium fehlte das Geld. Im Rap aber fand er die Möglichkeit, um die Welt zu reisen und gleichzeitig den Menschen mit seinen Texten etwas zu geben.
Ceza macht viel Battlerap, aber hauptsächlich bestehen seine Texte daraus, sein soziales Umfeld wahrzunehmen, kritisch zu sein, Politiker auf die Schippe zu nehmen, auf Mißstände hinzuweisen – beispielsweise zu erklären, wie es ist, kein Geld für ein Studium zu haben.
Eingangs erwähnter Silbenspucker ist für Ceza kein Idol, übrigens auch sonst niemand. “Ich denke, ich spiele in der Weltliga und muß mich nicht an irgendwelche Vorbilder halten”, gibt Ceza selbstbewußt zu Protokoll.
Sein Name bedeutet auf Türkisch Strafe. 1997 wurde in Istanbul sehr viel gefreestyled, es war die Zeit der türkischen Old School. Cezas Talent war wohl schon damals sehr ausgeprägt, so stöhnten die anderen MCs nur “Oh mein Gott, da kommt unsere Strafe!”, was ihm letztlich seinen Namen einbrachte.
Rap wird in der Türkei inzwischen ernst genommen. Die Musik läuft im Radio, im Fernsehen und verkauft sich gut. Die Leute haben laut Ceza keine Lust mehr, sich vom süßlichen Pop die dreckigen Umstände schönreden zu lassen. Ceza sieht sich als Sprachrohr. “Bei meinen Konzerten sind die verschiedensten Menschen. Prediger, Linke, Rechte, Juden, Christen, sogar Faschisten. Istanbul ist sehr multikulturell, es gibt viele ethnische Minderheiten. Und alle finden sich auf meinen Konzerten wieder.”
Ceza ist in der Türkei ein rapübergreifendes Phänomen. Dadurch, daß in seinen Raps unterschiedliche Themen behandelt werden, fühlen sich auch sehr unterschiedliche Leute angesprochen. Literaturlehrer kamen schon zu ihm und baten darum, ihn in ihren Büchern zitieren zu dürfen. Doch auch bei Rapfans in aller Welt hat Ceza ein großes Potential, macht sein extrem schneller Rapstyle ihn doch auch für des Türkischen unkundige Hörer sehr interessant.
Bei seiner Tour mit Fuat, die ihn von der Türkei über Holland, Schweden bis nach Berlin führte, nahm er sich Beats von deutschen Produzenten wie Q, Big Bennay, Kick, Bobafettt und Ronald Macdonald mit, die auf seinem in Bälde erscheinenden zweiten Soloalbum verwendet werden, was seinen Flow noch besser zur Geltung bringen dürfte.
Bei Interesse an Cezas Musik geht auf www.hammermusic.com, besucht türkische Recordstores oder wendet Euch an Fuat unter bnb1panzer@yahoo.de
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| Details |
Ausgabe |
Art: Feature
Autor: Oliver Marquart und Filiz Genc |

06.2003
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