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DJ Tomekk 
“Ich bin zu allen, mit denen ich Beef habe, persönlich hingegangen, um sich mal in die Augen zu sehen.”

Er zählt zu Deutschlands bekanntesten DJs, der wie kaum ein zweiter für Kontroversen sorgt. Nach seinem Debüt “Return Of HipHop” legt DJ Tomekk nun sein zweites Album “Beats Of Life, Vol.1 – SMG” vor.



MK ZWO: Auf Deiner Homepage steht, Du legst Wert auf Kreativität. Nun ist die erste Single “Kimnotyze” eine Art Cover von Biggies “Hypnotize”. Wie paßt das zusammen?
Tomekk:
Da hast Du schon Recht! Bei “Kimnotyze” war es Kims Anliegen, den Refrain so zu machen. Ich hätte einen anderen Refrain durchgesetzt, aber bei dem Track ist mir kein besserer eingefallen. Sie ist damit gekommen, und aufgrund ihrer Geschichte mit Biggie hab´ ich dann zugestimmt. Was ich noch cool finde: “Hypnotize” war die erste Single aus Biggies zweitem Album. “Kimnotyze” ist die erste Single aus meinem zweiten Album.

MK ZWO: Die Refrains der anderen Tracks hast Du bestimmt?
Tomekk:
Teilweise. Entweder ich sitze dabei oder ich mache Vorschläge. Das Problem für dich als DJ ist sonst, daß jeder Rapper reinkommt und seinen Scheiß abliefert – und am Ende hat es dann gar nichts mit dir zu tun. Deswegen versuche ich, mit den Leuten immer erst ein paar Tage zu chillen. Es gibt auf dem Album den Track “Supermadel” mit Shady von den Aphrodelics. Der ist entstanden, nachdem wir zwei Tage bei mir Pornos geguckt und über Frauen gequatscht haben.

MK ZWO: Ich habe gehört, daß Lil Kim rumgezickt hat, woraufhin Du ihr gedroht haben sollst, den Track mit Foxy Brown zu machen.
Tomekk:
Genau! Lil Kim hab´ ich in New York beim Feiern getroffen. Wir waren im Studio, haben den Track aufgenommen, und dann wollte sie nicht zum Videodreh kommen, weil sie einen Western dreht. Dann hab´ ich mit Foxy gedroht, und innerhalb eines Tages war Kim dann da. Ursprünglich wollte ich einen Track mit Kim und Foxy machen, aber das wäre nicht möglich gewesen.

MK ZWO: Zickenalarm?
Tomekk:
Das ist Krieg! Die hätten sich umgelegt, in Deutschland wird das auch noch so abgehen. Drüben hat nicht umsonst jeder Bodyguards und Waffen.

MK ZWO: Laß uns später zu dem Thema kommen. Der Beat erinnert mich an einen Song aus der Sesamstraße.
Tomekk:
Kann ich nichts zu sagen, ich hab´ die Sesamstraße nie geguckt.

MK ZWO: Über Kim habe ich mal gehört, daß ihr auf einer Tour mit der Bad Boy-Crew der Magen ausgepumpt werden mußte – da wurden Unmengen Sperma rausgeholt.
Tomekk:
Auf jeden Fall schiebt sie richtig gute Filme. Ich wollte sie nicht ficken, denn wenn ich Musik mit ihr mache und ficke, werde ich sie danach vielleicht nicht mehr los. Das bringt nur Ärger. Aber der Typ dafür ist sie schon.

MK ZWO: Sie mußte während Eurer Zusammenarbeit also nicht ins Krankenhaus.
Tomekk:
Nein, das war nicht der Fall.

MK ZWO: Du hast das Thema Beef und Bodyguards bereits angesprochen. Hattest Du zwischenzeitlich mal Angst?
Tomekk:
Ich habe eigentlich wenig Angst um meine Gesundheit. Ich hab´ schon oft überlegt, jemandem eine in die Schnauze zu hauen. Wenn die Typen die Eier hätten, bin ich jederzeit bereit, mit jedem in den Boxring zu steigen. Auf offener Straße würden es die Typen nur für sich ausnutzen, und die Chance will ich denen nicht geben. Die sollen sich Handschuhe anziehen, ich steige mit ALLEN in den Ring! Ich bin zu allen, mit denen ich Beef habe, persönlich hingegangen, um sich mal in die Augen zu sehen. Die Hälfte von denen kennt das gar nicht, die quatschen irgendwelche Scheiße, ohne daß etwas dahinter steckt.

MK ZWO: Auf Deinem Album ist Afu Ra dabei, der auch auf Desues Album ist. Ohne das Thema wieder neu aufzurollen: Bekommen die Ami-Rapper Beef hierzulande überhaupt mit?
Tomekk:
Auf meinem Album geben Guru und Ice-T Statements zu dem Thema ab. Guru sagt, er war in den letzten 10 Jahren in Deuschland und hat dort Tomekk gesehen. Ice-T sagt, er war vor 13 Jahren hier und hat Tomekk gesehen. Wer war denn sonst in den vergangenen Jahren so im Geschäft? Afu Ra soll bei Desue auf dem Album rappen, ich hab´ damit kein Problem. Er soll bei mir auf dem Album rappen, und was am Ende zählt ist, wer den besseren Track hat.

MK ZWO: Da siehst Du Dich sicher vorne.
Tomekk:
Ich finde Desues Album scheiße und dafür, daß ihn alle so hypen, ist das gar nichts! Ich finde seine Beats whack, der kann gar keine Beats machen, das ist kein Musiker, der ist einfach nur irgendein Typ. Ich finde die Typen whack! Sie klauen mein Artwork, die Typen drehen meine Videos nach, und am Ende sagen sie, ich hätte irgendein Problem. Wenn man jemanden disst, sollte man seinen eigenen Scheiß wirklich im Trockenen haben!

MK ZWO: Hat das ganze Theater dem Namen Tomekk geschadet, beispielsweise durch Leute, die auf Grund des Beefs eine Zusammenarbeit mit Dir abgelehnt haben?
Tomekk:
Habe ich noch nicht so erfahren. Zu mir kommen eher Leute, die über die whacke Aktion lachen. Torch ist zu mir gekommen und hat gefragt, wieso die es nötig haben, so eine Platte zu machen (der Disstrack “Fuck Toemack” von Desue, Samy, KC und D-Flame, Anm. des Autors). Wenn ich ein Problem mit einem habe, gehe ich hin und hau´ ihm auf die Fresse, aber mit so einem Track will man einfach nur von sich reden machen.

MK ZWO: Ist es nicht besser, Streit durch einen Track musikalisch auszutragen, statt die Fäuste zu gebrauchen?
Tomekk:
Sicher, meinetwegen kann man sich auch in die Augen sehen und aussprechen. Im Prinzip macht auch jeder mal irgendwas, das nicht so richtig cool ist. Das ist dann auch nicht für immer ein Grund, sich zu hassen.

MK ZWO: Der Subtitel des Albums ist SMG – Sex, Money, Guns. Was bedeuten diese Begriffe für Dich?
Tomekk:
Alle Begriffe bedeuten ein Drittel meines Lebens. Sex ist Ficken. Eigentlich nimmt das bei mir sogar fast die Hälfte ein. Money ist Respekt. Der ganze Ärger, die ganzen Typen, die was von mir wollen, kommen durch Neid. Die legen genauso lange auf wie ich, aber ich mache Kohle und die nicht. Guns ist ein Synonym von Würde. Wir leben in einem Land, in dem viele nur Sachen nachsprechen, ohne eigene Würde zu haben. Man muß keine Kanone tragen, aber man sollte eigene Würde haben. Dafür steht Guns.

MK ZWO: Wer ist Dein Partner Trooper?
Tomekk:
Trooper wird nächstes Jahr der erfolgreichste deutsche Künstler.

MK ZWO: Da hat er aber namhafte Konkurrenz.
Tomekk:
Mag sein, aber sein Album wird ein Hit! Ich weiß, daß viele Leute fronten werden, aber das ist mir scheißegal, denn er ist einer, der nicht viel quatscht, sondern kommt und Musik macht. Der hat Talent, eine gute Stimme, und ich werde für ihn die beste Scheibe machen, die ich machen kann. Ich höre mir immer Tapes von jungen Leuten an, aber die meisten quatschen nur dumm rum. Es gibt nur wenige, die wirklich Talent haben.

MK ZWO: Auf Deinen früheren Weggefährten MC Rene reagieren viele ähnlich kontrovers wie auf Dich.
Tomekk:
Ich verstehe auch nicht, was mit dem abgeht. Rene ist ein Querulant, er fährt manchmal ganz eigene Filme. Er ist nicht whack, aber er braucht einen, der auf ihn aufpaßt. Auf meinen Tracks kam er richtig geil und fresh. Aber jeder Künstler entwickelt sich, und vielleicht steckt er gerade in so einer Lebensphase. Aber was er sich bei dieser Viva-Sache denkt, weiß ich nicht. Aber das einzige, worüber ich urteilen kann ist, daß seine Sachen besser klingen würden, wenn ich sie produziert hätte.

Details Ausgabe
Art: Interview

Autor: Torsten Landsberg

Heftcover MKZWO 40
12.2002


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