Angry Teng - "Nicht zu fassen"

Da ist es, das Debütalbum von Angry Teng. Der Bonner präsentiert auf seinem 2007 erschienenen Erstlingswerk eine Fülle von fünfzehn Tracks. Klanglich schweift der Künstler zwischen Hip-Hop, Trip-Hop, Jazz und einem Hauch von Soul. Was er textlich zu bieten hat, ist nicht ganz so einfach auf dem Punkt zu bringen. Klar ist nur auf Anhieb, dass Angry Teng hier nicht versucht, sich selbst zu profilieren. Die Themen handeln von gesellschaftspolitischen Debatten und illusionär anmutenden Texten.

Das dem Intro folgende Stück „Tag und Nacht“ basiert auf dem Thema, dass viel zu viele Rapper Hip-Hop zu ihrer stumpfen Eigendarstellung benutzen. Der Clou an diesem Stück sind die vom Produzenten Flügelmann eingebauten Zeilen von Blumentopf. Das wirkt und legitimiert das Thema des Tracks. „Medikamente“ folgt und spricht vermutlich die eigenen hypochondrischen Neigungen des Künstlers an. Es gibt eben keine Medizin, die gegen alles hilft. „Waldstadt“ kommt aus der Perspektive eines Tieres und spricht das Thema Umweltschutz und ebenso die in den Medien stattfindende Diskussion darüber an. „Cthulhus Ruf“ ist bei weitem abstrakter und wirken wie ein wirrer Trip quer durch die Erlebniswelt von Angry Teng. „Salamander“ kann man in die gleiche Kategorie einordnen. Hingegen schildert Angry Teng in „Kaffee und Kuchen“ die amouröse Beziehung seiner Großmutter zu einem anderen Künstler. Mit einem zwinkernden Auge und etwas Humor kann man als Fazit dieses Songs festhalten, dass Liebe auch im Alter nicht aufhört und wieder jung macht. „Diskodiskurs mit God-Man“ schwimmt auf einem metallisch klingenden Beat. Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es um das Leben, Fehler und die Strafe dafür. Im mystisch anmutenden Beat des Tracks „Werwolf“, in dem Angry aus der Fabelwesenperspektive rappt, kann man sich beinahe selbst verlieren. Um „Kampfroboter“ zu beschreiben, sei zunächst der aggressive Beat erwähnt. Textlich geht es um die Geschichte eines Hackers, der einen Computervirus auf seine Reise durch die Welt schickt. Die verschiedensten Dinge passieren und die Geschichte spannt sich weiter in Richtung Chaos. Der folgende Track „Bargelaber“ ist eine willkommene Abwechslung. Alleine der Beat ist schön chillig und nicht so anstrengend wie der des vorherigen Tracks. Hier drehen sich die Zeilen von Angry Teng um die Gespräche und Gedanken, die während Aufenthalten in Bars aufkommen können. „Frau Link“ ist die auf einem ruhigen Beat schwirrende Geschichte einer alkoholsüchtigen Frau, die an ihrem Laster zugrundegeht. Darauf folgt „Büropoesie“ – wieder eine kurze verzerrte Albtraumgeschichte über Wahnsinn und Irrsinnigkeit. Das trostlose Bild der Welt erstreckt sich auch auf „Da draußen“. „Fünf Jahre“ geht viel tiefer und schildert eine zerbrochene Liebe. Angry Teng erzählt aus seiner Perspektive das Gefühl des Verlassenwerdens: die Lügen und Hinterhältigkeiten, die er in einer vergangenen Beziehung leidlich erfahren musste, bannt er hier auf einen traurigen, aber nicht verzweifelten Beat. Das Positive an „Nicht zu fassen“ ist definitiv die Kreativität und Vielfältigkeit, mit der Angry Teng die fünfzehn Tracks gestaltet hat. Dies gilt für die teils witzigen, teils verwirrenden Texte, als auch für die qualitativ gute Beatbasis. Auch in Sachen Technik kann Angry Teng echt nichts vorgeworfen werden. Dennoch denke ich, dass „Nicht zu fassen“ nicht jedem gefallen wird, da manche Themen angesprochen werden, mit denen sich manch einer nicht gerne auseinandersetzen wird.

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Musikrichtung Art Label Autor Ausgabe
Hip Hop Album Mareike Wellmann MKZWO 93*

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