Mit dem am 29.6. erschienenen Werk „Freie Entfaltung“ präsentieren Independenzia ihr gemeinsames Debüt-Album. Nach harter Studioarbeit präsentieren die Bielefelder Madcap (HitBack Productions, Art4Real), Brainstorm, Smarakt, Triebtat (alle aus der Kopfkrank Crew) und Tokin One (Westkurve) 19 energiegeladene Tracks. Bereits seit 2005 kollaborieren die fünf Charaktere.
Mittlerweile sind sie zu einer festen Crew verschmolzen, die auf zahlreiche Live-Auftritte und Feature-Beiträge bei anderen Künstlern und Projekten zurückblicken kann. Was die Fünf miteinander verbindet ist in erster Linie die Liebe zur Musik und zu Hip Hop als Kultur. Allein das von AniMagic designte Cover ist ein Hingucker. Im Comic-Stil gehalten kreuzen fünf Space-Cruiser in beeindruckenden Farben das All. Musikalisch steht „Freie Entfaltung“ dem ersten äußeren Eindruck in Nichts nach.
Rap rechtfertigt hier nicht sein so oft breitgetretenes Ego. Vielmehr wird über den Tellerrand geblickt. Dies zeigt sich an abwechslungsreichen und innovativen Texten, sowie an der Verknüpfung von deutlichen Ansagen mit Texten über die Eigenverantwortung jedes einzelnen Menschen für sich selbst und seine Umwelt. Der gleichnamige Song „Freie Entfaltung“ drückt sofort nach dem Intro aus, auf welche Reise Independenzia den Hörer mitnehmen wollen: Leben macht Sinn, wenn wir schöpferisch gestalten. / Das ist, was wir meinen, wenn wir sagen, wir entfalten. Die Hymne „Independenzia“ beeindruckt durch die raptechnischen Skills der fünf MCs, die diesen Namen wirklich verdient haben. Independenzia gehen kritisch mit der globalen Entwicklung um und thematisieren Hip Hop als weltweite immer stärker werdende Subkultur. Gesellschaftliche Missstände werden unter anderem in Tracks wie „Le chain“ feat. Mal Elévé, „Feuer und Flamme“ und „Was ist passiert?“ angesprochen. Auch Probleme junger Menschen werden in „Rätsel“ feat. Ruth, „Schicksal“, „Denk ich an damals“ oder „Wer sagt mir?“ behandelt. Independenzias klare Stärke liegt darin, ihre Sicht auf die Dinge auf niveauvolle und beeindruckende Art zu zeigen, ohne sich dem oftmals vulgären und verachtenden Mainstream hinzugeben. Songs wie „Mein Leben ist wie ein Track“, „Zeichen“ und „Kraft im Innern“ feat. PakeeBo demonstrieren die Fähigkeit der fünf Künstler, weise und tiefe Gedanken an emotionale Beats zu binden und ihrem Facettenreichtum weitere Aspekte zu verleihen. Hoch anzurechnen ist dem Produzententeam aus Madcap und Brainstorm auch, dass auf dem gesamten Album nicht mit Samples gearbeitet wurde. 19 selbst gebastelte und aufgenommene Beats, welche sich sowohl an klassischen Instrumenten als auch an Synthesizern bedienen, zeigen das breite musikalische Gebiet, auf dem sich Independenzia bewegen. Die Stücke „Naturgewalten“, „Danger“ feat. 12 Finger Dan und „Fehler im System“ beweisen dies eindrucksvoll. Ein weiterer Punkt ist das multikulturelle Interesse Independenzias, welches sich in „Where ist he Love“ mit Jr. Mandingo und in „Ucuyorum“ feat. Eylem ausdrückt. Ersterer fasziniert durch die Vermischung aus Reggaeeinflüssen und Rap. Der thematische Fokus liegt auf der Betrachtung gesellschaftlicher Leiden, welchen ein Gegengift aus Liebe und Rap entgegengesetzt wird. Zweiterer wird von einem orientalisch angehauchten Beat getragen und verbreitet mit Eylems Stimme im Chorus und gerappten Zeilen wie Endlich der Winter vorbei, wurde auch Zeit / Der Tag wird ne Stunde länger, ich stell die Uhr richtig ein / Die Sonne strahlt, es ist warm, wenn es endlos so bliebe / ich will fliegen im Rausch meiner Endorphine Sommerfeeling.
„Freie Entfaltung“ ist mehr als der Aufruf, gewissenhaft mit Mitmenschen und der Welt umzugehen. Die das Album umfassende Grundaussage lässt sich mit Befreiung von Grenzen durch Inspiration und Rap als Therapie auf den Punkt bringen. Freie Entfaltung für alle Individuen eben: „Viva la Independenzia!“
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