Wenn man an Freiburg denkt, fällt einem erst mal nur der beschauliche Schwarzwald ein und vielleicht noch die ein oder andere Studenten Party. Dass es aber auch im Breisgau richtig hart zugehen muss, will uns Freiburg’s heissester Imprint „Rapkilla Records“ einimpfen.
Mit ihrer ersten Labelcompilation „Gang Member Vol. 1“ haben sie diesbezüglich schlagende Argumente. Denn neben den eigenen Künstlern Ren da Gemini und den Sarajevo Kids hat das Label Artists wie Automatikk, Boxxxstar oder Frauenarzt zum Rapport geladen und dass diese mit voller Inbrunst die Strasse representen, dürfte von keiner Fraktion bezweifelt werden.
Der Einstieg verläuft mit „Alles echt“ und „Gang Member“ in feinster „Auf die Fresse Manier“ und Bars wie „ich bin verdammt gefährlich, sogar in Handschellen – du kannst dein Messer ziehen und kriegst mit der Hand schellen“ umreissen klar und deutlich die zu erwartenden Inhalte.
Die Produktionen von Rocky Z und DJ Ill sind sehr elektronisch gehalten, pumpen verdammt viel Adrenalin durch die Boxen und bilden damit die perfekte Unterlage für die harten Gangsta Punchlines.
Auf „Konnektet“ ergänzt sich die Rapkilla Posse einwandfrei mit Automatikk, wobei die Nürnberger den Sarajevo Kids und Ren da Gemini in punkto Flow noch einen ganzen Schritt voraus sind.
Wenn man auf anhaltende Morddrohungen gepaart mit nicht enden wollenden Begrifflichkeiten wie Hurensöhnen und Mutterfickern steht, werden auch die folgenden Tracks dem Hörer jede Menge Spass bereiten. Auf „Butterfly“, dank DJ Ill einem tatsächlichen Killer von einem Beat, packen die Sarajevo Kids Agent I & Menace ebenfalls Lyrics in ihrer Muttersprache aus, „Nimm ihn“ bietet ausgelassene Porno Styles und zusammen mit Aci Krank & Boxxxstar wird auf „Krieger, Hustler, Pimps“ ein wenig Crunk zelebriert.
Ein leichter Ansatz von reflektierender Vergangenheitsbewältigung scheint bei „Ich bin verlorenen“ durch und für einen gewollten Clubtrack ist die Produktion von „Springt“ immer noch zu hart.
„Überfall“ und „Alptraum“ gehören durch die Features von Frauenarzt bzw. Keskin zu den besseren Tracks des Albums und anhand der nächsten Mörder Produktion von DJ Ill lässt sich mit „Wir sind gefährlich“ ein echtes Highlight ausmachen.
Für erwachsene Hörer dürften die konstant auf „Ich ficke deine Schwester, entführe deine Kinder und töte dich sowieso“ Niveau verfassten Lyrics, spätestens jetzt zuviel werden. Wer aber auf Kampfansagen dieser Art, verteilt auf 20 Tracks steht, wird das Werk von Rapkilla Records feiern.
Rappen können die Jungs jedenfalls und die Bezeichnung „brutal“ passt hier nicht nur auf die niemals ihre Linie verlassenden Texte, sondern auch auf die perverse Produktion von DJ Ill. Der stellt sogar vertretene Beatmaker wie die Beatgees in den Schatten und sorgt mit einem richtig guten Sound für den grossen Unterschied zu vielen Releases ähnlicher Gattung.
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