MKZWO Logo
   
  Start · Aktuelles Heft · Archiv · Records · Shop · Termine · Links · Forum

 
Login 
Benutzername
Passwort
Hier registrieren!

 
Shop-Artikel 


Wintermütze STOPROCENT "Toxic Logo grün JZ 2008"


 
Newsletter 


Abonnieren
Abbestellen

fmktwo
 
Partner 
Eventsuche:
Jan Rabenstein
Mobuy

 
Wer ist online 
21 Gäste


 
 
Agrip Nassim - "Hayet" 
Respekt, Respekt. Die Promo Mappe von Agrip Nassim macht wirklich etwas her. Die aufwendige Gestaltung, das sehr ausführliche Booklet, das äußerst durchdachte Anschreiben mit Zitaten von Sokrates, Goethe oder Gandhi, alles Dinge die ihr geplantes Ziel erst einmal erreichen: Eindruck schinden.

Die Tatsache, dass der 24-jährige Tunesier mit seinem Album „Hayet“ bereits bei Major EMI lizenziert war, diese dann aber, wegen der angeblich zu harten Lyrics, von einer Veröffentlichung Abstand genommen haben, macht den Hörer natürlich nicht weniger neugierig. Außerdem erfreut zumindest mich der Umstand, dass endlich mal jemand in der deutschen HipHop-Szene Bezug zu aktuellen, politischen Ereignissen nimmt und sich, laut Biographie, mit ernsteren Themen als der eigenen Schwanzlänge befasst.
Der erste Track „Blutiger Staub“, der gleichzeitig auch die erste Single des Albums ist, lässt die Handlungen der USA, vom Einmarsch in Afghanistan bis hin zum Krieg gegen den Irak, Revue passieren und zeigt Agrip`s Trauer über die vielen unschuldigen Opfer und seine Wut über die Vorgehensweise der amerikanischen Regierung. Seine Anschuldigungen gehen in etwa konform mit dem Echo der weltweiten USA Kritik, die dem Stab von Mr. Bush persönliche Motive vorwirft und bis auf den völlig drucklosen Beat, der sich schwer nach Music Maker anhört, ist dieser Song ein absolut gelungener, tiefer und keineswegs zu hart geratener Track.
Die Produktion von „Hassgeprägtes Labyrinth“ wird, mit knackigen Synthi`s, wesentlich verbessert, der textliche Inhalt dagegen verstrickt sich, nicht zum letzten Mal, in Widersprüchen. Natürlich sollte man Menschen wie einen Edmund Stoiber besser auf den Mond schießen, natürlich haben es unsere geliebten Gesetzeshüter, dank sensationeller Rasterfahndung, immer zuerst auf „anders“ aussehende Menschen abgesehen und natürlich ist die deutsche Bürokratie, die bereits den Deutschen selbst in den Wahnsinn treibt, für einen Immigranten die reinste Schikane. Aber deswegen alles und jeden über einen Kamm zu scheren macht wenig Sinn. Und mal ehrlich, was nutzt es, wenn man sich eben noch beschwert, dass man bei einem Verbrechen sofort ins Visier der Fahnder gerät, nur weil man kein Deutscher ist, wenn man zwei Sätze später stolz verkündet mit 15 schon die ersten Opfer abgerippt zu haben und damit diesem Klischee weiter Nahrung verschafft?
„Hessenstyle Kanaken“ feat. Dinar begibt sich erstmals inhaltlich auf rein HipHop spezifisches Terrain und die Battle Raps, gespickt mit jeder Menge Disses gegen Aggro Berlin sind zwar nicht schlecht, reißen aber Freunde von guten Punchlines wirklich nicht aus dem Schlaf. Dasselbe Schema verfolgt „Fickt euch“ und über Aussagen wie „Ich mache keinen HipHop, denn ich hasse deutschen Rap“ dürfen die Leser dieses Beitrags nun selbst diskutieren....
Bei einem Titel wie „Palästina“ bekommt der Hörer im Vorfeld eine Gänsehaut, weil er befürchtet, dass Agrip Nassim nun eine enorme Hass Tirade lostreten könnte, was folgt ist aber das erste echte Highlight des Albums. Die Geschichte eines Jungen, der durch Bomben seine Familie verliert, deshalb immer mehr vom Hass geleitet ist und so zum Selbstmordattentäter mutiert, bleibt ohne große Wertung des Autors und ist einfach nur kritisch und gut. Die Mischung aus Battle Tracks wie „Ich hol Rap wieder nach Hessen“ und deepen Songs wie „Wenn die Sterne weinen“ ist ausgewogen und findet im ständigen Wechsel statt. Die fast schon lyrischen Zeilen bei Songs wie „Mein Kind“ stehen dem Protagonisten dabei wesentlich besser zu Gesicht, als die der technisch orientierten Varianten, denn Bars wie bei „Der Skorpion“ bleiben im tristen Mittelmaß stecken. Representer wie „Steh auf“, „Bloodsport“ oder „Ihr Nutten“ bieten allesamt nichts Außergewöhnliches. Im Gegenteil, übliche Kampfansagen mit Lines gegen die unzählbaren Wichser, Nutten und Hurensöhne dieser Welt hat man schon eine Million mal gehört. Die Produktionen sind okay, zeugen von Talent, graben sich aber nicht tiefer ins Gedächtnis. Dafür gibt es aber auch Songs wie „Weit fort“ oder „Erlösung“, die mit nachdenklichen Zeilen und gut gesungenen Hooks von Laura die Königsdisziplin von Agrip Nassim darstellen.
Warum ein Majorlabel sich aus den angegeben Gründen von diesem Release distanziert, wird mir ein Rätsel bleiben, denn politisch wird es hier nur sehr selten und wenn, dann bleibt die Schilderung durchaus rational und allemal vertretbar. Die vielen Battle Tracks können eigentlich auch nicht den Ausschlag dafür geben, denn im Gegensatz zu so manchen Takten aus dem Aggro Lager und zum Beispiel von Jungs wie Automatikk, verhält sich auf „Hayet“ alles noch in einem „gesellschaftsfähigen“ Rahmen. Die Aufmachung der Promotion erscheint einem im nach hinein als Mogelpackung, denn nach dieser Ankündigung erwartet der Hörer, in jeder Hinsicht, definitiv mehr. Agrip Nassim, dem MC aus einem niemals erwähnten, unbekannten Vorort von Frankfurt am Main fehlen die Killer Punchlines und auch der Wortwitz, um auf Battle-Ebene wirklich überzeugen zu können. Für seine Tracks fern ab von der oberflächlichen Welt der Rap Thematik, hat er aber in jedem Falle Propz verdient. Ich wage zwar zu bezweifeln, dass die angekündigte Klingelton Vermarktung schwarze Zahlen schreiben wird, trotzdem würde ich „Hayet“ jedem nahe legen, der zumindest mal ein paar gehaltvollere Lyrics hören will.


Details Ausgabe
Label: GEIL Records
Art: Album
Musikrichtung: Hip Hop

Autor: Maik Ritter
MKZWO 72
Heftcover MKZWO 72
09.2006


    Druckversion Druckversion

© MK ZWO 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung oder Nachdruck nur mit Genehmigung von MK ZWO



 
 
mehr Reviews 
88:Komaflash - "Verteidigung der Zukunft"
Voice of the People Soundsystem - "Back To The Roots!!"
Wu-Tang - "Return Of The Wu"
Söhne Mannheims - "Iz On"
Soundkail - "Racaille Sound System"
Kopfhörer - "Zwischen Den Stühlen"
David Rodigan - "The Kings of Reggae"
Sichtbeton - "Sichtbeton"
Plamper/The KLF - "Top Hit Leicht Gemacht"
Maxi Priest - "Refused"
V.A. - "Compost Black Label Series Vol.4"
A Tribe Called Quest - "The Love Movement"
Dr. Rubberfunk - "My Life at 33"
Dr. Dre - "The Chronicles"
A.G - "Get Dirty Radio"
Boys II Men - "Legacy – The Greatest Hits Collection"
V.A. - "Offbeats Vol. 1"
Delegation - "Zeiten ändern sich"
Die Brandstifter - "Die Brandstifter"
DJ Cumshot - "Cumikaze Lesson II"
Sektion Kuchikäschtli / Underdog Cru - "Lampafiaber / V.I.P."
Je.Y.Z. - "Streettape"
Texta - "Gediegen"
Zenit - "Remixes Vol. 2"
Amusement Parks on Fire - "Amusement Parks on Fire"