Busta Rhymes will es noch mal richtig wissen. Nicht nur, dass er sich seine Dreadlocks abgeschnitten hat, nein. Für sein neues Album „The Big Bang“ fährt Busta ein derart beispielloses Aufgebot an HipHop-Größen auf, dass einem schier Angst und Bange werden kann. Angst nämlich, ob sich der logistische Aufwand auch tatsächlich in gute Musik ummünzen lässt, oder ob weniger nicht doch am Ende wieder mehr gewesen wäre.
Lassen wir uns vor der Klärung dieser Frage zunächst einige Kombinationen mal genüsslich auf der Zunge zergehen: Busta teamt mit Missy Elliot auf einem Dre-Beat, mit Stevie Wonder auf einem weiteren Dre-Beat, mit Q-Tip auf einem J. Dilla-Beat, mit Nas auf noch einem Dre-Beat, mit Raekwon auf einem Erick Sermon-Beat, mit Kelis auf einem will.i.am-Beat und mit Rick James auf einem Green Lantern-Beat. Kurze Pause, durchatmen. Dazu kommen dann noch weitere Beats von Timbaland und Jellyroll. Uff. Und siehe da: keiner der Beteiligten verkauft sich unter Wert, vielmehr rufen alle Höchstleistungen ab. Durch „The Big Bang“ zieht sich somit ein fast schon unfasslicher roter Faden des hohen Niveaus.
Busta selbst läuft jedoch in diesem Spektakel niemals Gefahr, unterzugehen. Stattdessen bleibt er stets der Hauptdarsteller in diesem Film, dessen Regisseur und Drehbuchautor zweifelsohne Dr. Dre ist, der nicht nur für einige herausragende Beats selbst sorgt, sondern auch beim klanglichen Gesamterscheinungsbild seine Finger im Spiel hatte – schließlich erscheint „The Big Bang“ ja auch auf seinem Label, Aftermath.
Höhepunkte festzuhalten ist angesichts solch einer hohen Dichte an Qualität schwierig, aber die stimmige New York-Hommage „New York Shit“, das seelenvolle „Been Through the Storm“ (mit Stevie Wonder) und das kraftvolle „Goldmine“ mit Raekwon sind zumindest in meinen Gehörgängen am eindrucksvollsten angekommen. Den Paukenschlag par excellence setzt der ehemalige Leader of the New School aber am Schluss: Über einen unglaublichen, sehr düsteren Beat von Dre lässt Busta seiner Angst vor dem „Big Bang“ am Ende des Lebens eines jeden Menschen freien Lauf und schafft mit „Legends of the fall offs“ das tatsächlich eindringlichste, ungewöhnlichstes Stück Rapmusik auf diesem Album.
Einwenden ließe sich allenfalls, dass „The Big Bang“ sich eben genauso perfektionistisch anhört, wie es auf dem Blatt klingt. Da sitzt jede Snare, jedes Keyboard, jede Silbe, jeder Ton. Dadurch entsteht natürlich zu keiner Sekunde eine derart anarchistische Atmosphäre wie auf Bustas Solodebüt „When Disaster Strikes“. Aber wer auf sowas steht, kann sich ja genau dieses so oft anhören, wie er möchte. Wer aber lieber Rapmusik 2006 in voll ausgereizter Perfektion, mit einem Busta Rhymes in exzellenter Form hören will, braucht „The Big Bang“. Und zwar dringend.
|
 |